Wissen · Aus der Praxis

Aus der Praxis: Wärmepumpe im eigenen Mehrfamilienhaus

Stand: 03.11.2026 · Von

Unsere Planung haben wir zuerst am eigenen Gebäude angewendet: einem Mehrfamilienhaus in Darmstadt mit vier Wohneinheiten, das bisher allein mit Gas beheizt wurde. Heute ist die Wärmepumpe die Hauptwärmequelle; die Gastherme bleibt als Reserve für sehr kalte Tage. Seit Oktober 2026 erfassen wir den Betrieb der Wärmepumpe mit eigener Messtechnik.

Kurz gesagt
  • Raumweise berechnet braucht das Haus 8,4 kW, nach Faustformel wären es 12,4 kW gewesen.
  • Hauptwärmequelle ist eine Luft/Wasser-Wärmepumpe mit 9 kW. Die vorhandene Gastherme springt nur an sehr kalten Tagen ein, wenn das technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.
  • Ausgelegt auf 50/43 °C bei −10 °C Außentemperatur: Die vorhandenen Heizkörper bleiben. Wo an sieben Stellen Leistung fehlt, helfen Split-Klimageräte aus.
  • Drei Wärmemengenzähler und eine Strommessung zeigen, wie die Anlage tatsächlich arbeitet.

Heizlast

Ein Drittel weniger als nach Faustformel

Aus dem bisherigen Gasverbrauch ergibt sich überschlägig eine Heizlast von 12,4 kW. Die Berechnung Raum für Raum nach DIN EN 12831 kommt auf 8,4 kW. Hätten wir nach Verbrauch ausgelegt, wäre die Wärmepumpe deutlich zu groß geworden: teurer in der Anschaffung, mit häufigem Ein- und Ausschalten und damit weniger effizient.

Heizlast: Faustformel gegen Berechnung

Überschlägig nach Gasverbrauch gegenüber raumweise nach DIN EN 12831, in kW

0 4 8 12 Faustformel 12,4 Berechnung 8,4

Wie wir die Heizlast für Ihr Haus berechnen, steht auf der Seite Heizlastberechnung nach DIN EN 12831.

Gerätegröße

9 kW genügen, die Gastherme bleibt Reserve

Auf Basis der berechneten 8,4 kW fiel die Wahl auf eine Luft/Wasser-Wärmepumpe mit 9 kW. Laut Auslegung müsste ein elektrischer Heizstab nur an rund 9 Stunden im Jahr zuheizen, das sind 0,03 % der Heizenergie. In unserem Haus übernimmt diese Spitzen die vorhandene Gastherme. Sie arbeitet als zweite Wärmequelle bei sehr niedrigen Außentemperaturen und läuft nur, wenn das technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.

Heizkörper und Abgleich

Die meisten Heizkörper bleiben

Ausgelegt ist die Anlage auf 50 °C Vorlauf und 43 °C Rücklauf bei −10 °C Außentemperatur. Mit diesen Temperaturen reichen die vorhandenen Heizkörper bis auf sieben Stellen aus. Dort hat die Berechnung einen Austausch empfohlen. Wir gleichen die fehlende Leistung stattdessen mit Split-Klimageräten aus, die wir für sommerliche Hitzeperioden ohnehin angeschafft haben.

Wie unterschiedlich die Räume sind, zeigt die Heizlast je Raum: Sie liegt zwischen 40 und 1.630 W. Der hydraulische Abgleich nach Verfahren B verteilt das Heizungswasser passend dazu. Volumenstrom, Voreinstellung jedes Ventils und Förderhöhe der Pumpe sind berechnet und dokumentiert. Mehr dazu: Hydraulischer Abgleich nach Verfahren B.

Messung

Messen statt vermuten

Drei Wärmemengenzähler und eine Strommessung erfassen seit Oktober 2026 den Betrieb. Die Messung hat gezeigt, wie stark die hydraulische Einbindung wirkt: Nach der Umstellung auf eine direkte Einbindung mit Rücklaufpuffer stimmen die Zähler überein, und die mittleren Vorlauftemperaturen sind gesunken.

Welche Rolle der Pufferspeicher spielt und wie groß er sein sollte, können Sie mit unserem Puffer-Rechner selbst durchspielen.

Jahresarbeitszahl folgt nach der ersten Heizperiode

Was das für Ihr Haus bedeutet

Rechnen lohnt sich

Jedes Haus ist anders. Unser Beispiel zeigt aber, wie weit Schätzung und Berechnung auseinanderliegen können und dass vorhandene Heizkörper oft weiter genutzt werden können. Die Grundlage dafür sind eine raumweise Heizlastberechnung und ein hydraulischer Abgleich.

Sprechen wir über Ihr Haus

Wir rechnen Heizlast und Abgleich auch für Ihr Gebäude, herstellerneutral und zum Festpreis.

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