Mit einer Wärmepumpe gibt es drei bewährte Wege, Ihr Warmwasser zu bereiten: Frischwasserstation, Hygienespeicher und klassischer Warmwasserspeicher. Alle drei funktionieren gut, wenn sie passend ausgelegt sind. Welcher zu Ihrem Haus passt, entscheiden vor allem Hygiene, Komfort und Platz, weniger die Effizienz.
Kurz gesagt
Die Frischwasserstation erwärmt Trinkwasser erst beim Zapfen. Es steht fast kein Warmwasser im System. Hygienisch die beste Lösung, aber die teuerste.
Der Hygienespeicher erwärmt das Brauchwasser im Durchlaufprinzip. Ein Pufferspeicher, gefüllt mit Heizungswasser, wird von der Wärmepumpe auf die Warmwassertemperatur erhitzt. Bei Zapfung fließt das Trinkwasser durch einen Wärmetauscher von unten nach oben und wird dabei auf die Wunschtemperatur erwärmt.
Der Warmwasserspeicher ist einfach und günstig. Er braucht mindestens 50 °C und sollte nicht größer sein als nötig.
Bei der nötigen Vorlauftemperatur der Wärmepumpe liegen die drei Systeme nah beieinander. Die Zirkulation kostet oft mehr Energie als die Wahl des Systems.
Die drei Systeme
So wird Ihr Warmwasser erwärmt
In allen drei Fällen lädt die Wärmepumpe einen Speicher. Der Unterschied liegt darin, wo das Trinkwasser warm wird und wie viel davon im Speicher steht.
A
Pufferspeicher mit Frischwasserstation
Heizwasser aus dem oberen Pufferbereich strömt durch einen Plattenwärmetauscher. Das Trinkwasser wird im Durchfluss erwärmt, eine geregelte Pumpe sorgt für die richtige Temperatur.
Trinkwasser im System
unter 2 l
Zapfleistung
20 bis 45 l/min
Hilfsenergie
Pumpe und Regelung
B
Hygienespeicher im Durchflussprinzip
Ein Edelstahl-Wellrohr führt das Trinkwasser von unten nach oben durch den Puffer. Es erwärmt sich beim Durchströmen. Für die Warmwasserbereitung braucht es keine Pumpe und keine Elektronik.
Trinkwasser im System
25 bis 40 l
Zapfleistung
sinkt bei hohem Durchfluss
Hilfsenergie
keine
C
Warmwasserspeicher (Boiler)
Der Speicher enthält 150 bis 400 l Trinkwasser. Die Wärmepumpe heizt es über einen eingebauten Rohrwärmetauscher auf und hält es auf Temperatur.
Sonderform von C: Kombimodul mit integriertem Speicher
Bei vielen Wärmepumpen gibt es eine Inneneinheit, in der Regelung, Hydraulik und ein Warmwasserspeicher von rund 180 bis 260 l in einem Gerät stecken. Für sie gilt alles, was für den Warmwasserspeicher gilt, mit diesen Besonderheiten:
Vorteile
Einfacher Aufbau: Wärmepumpe und Speicher in einem Gerät, wenig Verrohrung und Regelung.
Kosteneffizient: Kein separater Puffer, keine Station, kein zweiter Speicher.
Strom vom Dach statt Solarthermie: Eine Photovoltaikanlage kann die Wärmepumpe mit eigenem Strom versorgen. Das ersetzt den Ertrag einer thermischen Solaranlage.
Nachteile
Keine thermische Solaranlage: Ein zweiter Wärmeerzeuger lässt sich nicht einbinden.
Zirkulation: Ohne eigenen Anschluss wird die Zirkulationsleitung in den Kaltwasserzulauf geführt. Das ist technisch nicht ideal.
Der Vorteil der Photovoltaik setzt voraus, dass die Wärmepumpe bei Stromüberschuss angesteuert wird, zum Beispiel über SG-Ready oder einen Energiemanager. Im Winter liefert Photovoltaik, wie auch Solarthermie, nur wenig.
Effizienz
Welche Temperatur die Wärmepumpe liefern muss
Je wärmer das Wasser sein muss, desto mehr Strom braucht die Wärmepumpe. Entscheidend ist die ganze Kette von der Wärmepumpe über den Speicher bis zum Wasserhahn. Für 50 °C am Austritt ergeben sich diese Werte:
System
Warmwasser am Austritt
Speicher oben
Vorlauf der Wärmepumpe am Ladeende
A) Frischwasserstation
50 °C
54 bis 57 °C
55 bis 59 °C
B) Hygienespeicher
50 °C
56 bis 60 °C
57 bis 62 °C
C) Warmwasserspeicher
50 °C
50 bis 52 °C
56 bis 60 °C, steigt während der Ladung
Richtwerte aus Herstellerangaben und Fachpraxis bei 12 bis 15 l/min Zapfleistung, keine Messwerte.
Was das im Jahr ausmacht: Im Einfamilienhaus mit vier Personen und rund 3.000 kWh Wärme für Warmwasser kosten 5 K mehr Ladetemperatur etwa 130 kWh Strom im Jahr, bei 30 ct/kWh also rund 40 €. Die Jahresarbeitszahl der ganzen Anlage ändert sich dadurch nur um wenige Prozent.
Größere Hebel als die Wahl des Systems
Zirkulation: Läuft sie dauernd mit 60/55 °C, kostet sie viel Energie. Im Mehrfamilienhaus sind die Zirkulationsverluste oft größer als der Warmwasserbedarf selbst. Zeit- oder bedarfsgesteuert betreiben.
Bereitschaftsverluste: Ein Puffer für Frischwasserstation oder Hygienespeicher hat mehr Oberfläche als ein Boiler gleicher Nutzmenge. Wärmeverlust laut Datenblatt vergleichen und Anschlüsse dämmen.
Gemeinsamer Speicher für Heizung und Warmwasser: Ohne saubere Schichtung läuft die Wärmepumpe auch für die Heizung unnötig auf Warmwassertemperatur.
Trinkwasserhygiene
Wie warm Warmwasser sein muss
Im Ein- und Zweifamilienhaus lassen sich alle drei Systeme regelkonform betreiben, wenn 50 °C nicht dauerhaft unterschritten werden. Im Mehrfamilienhaus mit Zirkulation gelten für alle drei 60 °C am Speicheraustritt. Den Unterschied macht vor allem, wie viel Trinkwasser im System steht und wie lang die Leitungen sind.
Anlagentyp nach DVGW W 551
Wann
Temperatur
Kleinanlage
alle Anlagen in Ein- und Zweifamilienhäusern, unabhängig vom Speicherinhalt, sowie Anlagen bis 400 l Speicher und höchstens 3 l Inhalt je Leitung bis zur Zapfstelle
nicht dauerhaft unter 50 °C
Großanlage
übrige Anlagen außerhalb von Ein- und Zweifamilienhäusern
60 °C am Speicheraustritt, Zirkulation höchstens 5 K darunter
A) Frischwasserstation
Kein gespeichertes Trinkwasser
Hygienisch am günstigsten. Ein Betrieb unter 50 °C ist nur im Einfamilienhaus ohne Zirkulation und mit kurzen Leitungen vertretbar und sollte bewusst entschieden und dokumentiert werden.
B) Hygienespeicher
25 bis 40 l im Wellrohr
Ein Teil davon liegt im kühlen unteren Pufferbereich. Bei regelmäßiger Nutzung unkritisch, bei wenig Verbrauch, etwa in einer Ferienwohnung, schlechter als die Frischwasserstation.
C) Warmwasserspeicher
Der ganze Speicher steht
Mit mindestens 50 °C und einem Speicher, der täglich weitgehend verbraucht wird, regelkonform. Kritisch sind zu große Speicher für kleine Haushalte.
Legionellenschaltung
Einmal pro Woche 60 °C reicht nicht
Ein wöchentliches Aufheizen gilt fachlich nicht als sicherer Schutz und ist in Kleinanlagen nicht gefordert. Wichtiger sind ausreichende Temperatur und regelmäßiger Wasseraustausch.
Vermietete Mehrfamilienhäuser mit Großanlage und Duschen müssen nach Trinkwasserverordnung regelmäßig auf Legionellen untersucht werden. Für Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus sind Wohnungsstationen eine effiziente Lösung, weil jede Wohnung dann eine Kleinanlage ist.
Vergleich
Die drei Systeme im Überblick
Die Frischwasserstation führt bei Hygiene und Zapfleistung, der Hygienespeicher bei Robustheit, der Warmwasserspeicher bei Kosten und Einfachheit.
Kriterium
A) Frischwasserstation
B) Hygienespeicher
C) Warmwasserspeicher
Trinkwasser im System
++ unter 2 l
+ 25 bis 40 l
o 150 bis 400 l
Hygiene im Einfamilienhaus
++
+
+ ab 50 °C und passender Größe
Hygiene im Mehrfamilienhaus mit Zirkulation
o 60/55 °C nötig
– nur eingeschränkt geeignet
o 60/55 °C nötig
Vorlauf der Wärmepumpe für 50 °C
+ 55 bis 59 °C
o 57 bis 62 °C
+ 56 bis 60 °C, gleitend
Zapfleistung
++ 20 bis 45 l/min, gleichbleibend
o sinkt bei hohem Durchfluss
+ hoch, danach Nachladezeit
Bereitschaftsverluste
o Puffer größer als Nutzmenge
o wie A
+ kleinste Oberfläche
Kamin oder Solarthermie einbinden
+ mit Verbrühschutz
++
o
Wartung
o Pumpe, Sensor, Regler
++ keine Verschleißteile
o Anode bei emaillierten Speichern
Investition
– hoch
o mittel
+ gering bis mittel
Platzbedarf
o Puffer und Wandmodul
+ ein Speicher
o gering als Kombimodul
Bewertung: ++ sehr gut, + gut, o neutral, – nachteilig. Kosten qualitativ, für Ihr Projekt zählen die Preise des konkreten Angebots.
Entscheidungshilfe
Welches System passt zu Ihrem Haus?
Beantworten Sie drei Fragen. Die erste Frage, die Sie mit Ja beantworten, entscheidet. Im Mehrfamilienhaus bestimmt die Zirkulation das Temperaturniveau, im Einfamilienhaus die Zapfleistung und weitere Wärmeerzeuger. Das Budget kommt erst danach.
Frage 1
Mehrfamilienhaus oder Zirkulation nötig?
zum Beispiel weil eine Leitung zur Zapfstelle mehr als 3 l fasst
Frage 2
Mehr als 18 l/min auf einmal?
zum Beispiel Regendusche, vier oder mehr Personen, mehrere Duschen gleichzeitig
Frage 3
Kamin oder Solarthermie geplant?
oder eine Lösung ohne Pumpe und Elektronik gewünscht
Unsere Empfehlung
C) Warmwasserspeicher
Geringste Kosten, wenig Technik. Speicher nicht kleiner als 50 °C betreiben und nach dem tatsächlichen Tagesbedarf auslegen.
Passt typisch zu: 2 bis 3 Personen, normale Armaturen mit 9 bis 11 l/min, wenig Platz, Kombimodul mit integriertem Speicher.
Planung
Worauf es bei der Auslegung ankommt
Frischwasserstation: nach der größten Zapfleistung und der Puffertemperatur auswählen, die die Wärmepumpe liefern kann. Viele Datenblätter nennen die Leistung bei 60 bis 65 °C im Puffer, Wärmepumpen liefern meist 50 bis 55 °C. Das Volumen oberhalb des Stationsabgangs muss die längste Spitzenzapfung ohne Nachladung decken.
Hygienespeicher: Wellrohrfläche für die Spitzenzapfung nach Herstellerdiagramm prüfen. Ab etwa 18 l/min einen großen Speicher mit zwei Wellrohren wählen oder zur Frischwasserstation wechseln.
Warmwasserspeicher: Wärmetauscherfläche mindestens 0,25 bis 0,35 m² je kW Leistung der Wärmepumpe, freigegeben vom Hersteller der Wärmepumpe. Volumen nach dem tatsächlichen Tagesbedarf, nicht auf Vorrat. Beispiel: 200 l von 10 auf 50 °C brauchen 9,3 kWh, mit 8 kW also rund 70 Minuten.
Für alle: Zirkulation nur zeit- oder bedarfsgesteuert und hydraulisch abgeglichen. Im Einfamilienhaus prüfen, ob sie ganz entfallen kann. Höchste Vorlauftemperatur der Wärmepumpe bei Warmwasserbetrieb prüfen.
Strom vom eigenen Dach: Puffer für A und B lassen sich bei Überschuss höher laden, bei der Frischwasserstation dann mit Verbrühschutz. Beim Warmwasserspeicher führt eine höhere Temperatur zu mehr Kalk und Verlusten.
Häufige Fragen
Ist Brauchwasser dasselbe wie Trinkwarmwasser?
Ja. „Brauchwasser“ ist der umgangssprachliche Begriff. In Normen und Fachregeln heißt es Trinkwasser warm oder Trinkwarmwasser, weil es Trinkwasserqualität haben muss, auch wenn Sie es zum Duschen nutzen.
Reichen 45 °C, um Strom zu sparen?
Im Ein- und Zweifamilienhaus sollen 50 °C nicht dauerhaft unterschritten werden. Bei einer Frischwasserstation ohne Zirkulation und mit kurzen Leitungen ist ein niedrigerer Wert fachlich vertretbar, sollte aber bewusst entschieden werden. Die Ersparnis liegt meist bei wenigen Euro im Monat.
Braucht meine Wärmepumpe einen Heizstab für die Legionellenschaltung?
Nicht zwingend. Viele aktuelle Wärmepumpen erreichen 65 °C und mehr allein über den Verdichter, mit schlechterer Effizienz. Eine wöchentliche Legionellenschaltung ist im Einfamilienhaus ohnehin nicht gefordert und ersetzt keinen ausreichenden Wasseraustausch.
Verkalkt die Frischwasserstation?
Kalk fällt deutlich erst ab etwa 60 °C Wandtemperatur aus. Bei den 50 bis 55 °C, die Wärmepumpen üblicherweise liefern, ist das Risiko gering. Der Plattenwärmetauscher lässt sich spülen oder tauschen. Ein verkalktes Wellrohr im Hygienespeicher dagegen nicht.
Temperatur- und Leistungswerte sind Richtwerte aus Herstellerangaben und Fachpraxis. Diese Seite ersetzt keine Fachplanung. Auswahl und Auslegung Ihrer Anlage verantwortet ein Fachbetrieb.
Welches Warmwassersystem passt zu Ihrer Wärmepumpe?
Wir prüfen Heizlast, Warmwasserbedarf und Leitungsnetz und sagen Ihnen, welches System sich für Ihr Haus eignet und wie groß es sein muss.